Dresden, 13.02.2010: Sie kamen nicht durch!

Februar 23rd, 2010


Vor einigen Wochen entschloss ich mich dem Aufruf „Dresden Nazifrei“ nachzukommen und trotz Unilernstress mein Möglichstes zu tun um am 13.02.10 den faschistischen Aufmarsch Tausender zu verhindern.

Da sämtliche Busse aus Berlin schon voll waren, fuhr ich zusammen mit 3 Bekannten und 4 kurzentschlossenen Mitfahrerinnen am Samstag um 8h von Berlin Richtung Dresden mit einem privaten VW-Bus los. Trotz Polizeikontrollen kamen wir gegen 10:30h am Dresdner Hauptbahnhof auf der Südseite der Elbe an.

Wo ist die Kundgebung?

Nach einer kurzen Stärkung an einem Stand und der Vergabe wichtiger Informationen in Papierform machten wir uns zu fünft auf den Weg zu einer der  Hauptkundgebungen - das Etappenziel für den Vormittag. Nach einem kleinen Spaziergang trafen wir am angeblichen Kundgebungsort auf vereinzelte meist schwarz gekleidete Antifa-Gruppen und auf eine gute Masse bunt gekleideter Menschen. Hier fing die Demonstration „GehDenken“ unter anderem mit  bündnisgrünener Beteiligung und zum Beispiel mit Partizipation Evangelischer Jugendverbände an. Hier gedachten wir den zivilen Opfern des Bombardements in Dresden vor genau 65 Jahren. Es war schon ein interessantes Bild die schwarzen meist jungen Antifa-Gruppen neben den Familien des „GehDenken“-Protestes friedlich hintereinander laufen zu sehen.

Für uns war klar: wir wollen auf die andere Elbseite um aktiv mit zu blockieren, denn genau hier sollte die Naziroute verlaufen. Die massive Polizeipräsenz - ich zählte mehr als sieben Hubschrauber am Himmel - wurde uns an diesem Punkt noch einmal einschüchternd gezeigt.

Wie kommen wir zur Neustadt?

Nach einigen missglückten Versuchen wurde uns bewusst, dass die Polizei die Brücken Richtung Neustadt auf der anderen Elbseite abgeriegelt hatte und nur noch Anwohnern den Durchgang gewährte. Dies war unzulässig, denn auch auf der Neustädter Seite gab es zahlreiche angemeldete und zulässige Gegendemonstrationen zu denen man uns den Zugang eigentlich nicht hätte verwehren dürfen. Etwas enttäuscht machten wir uns auf den Weg gen Osten und grübelten darüber nach wie wir uns doch noch auf die andere Elbseite durchschlagen könnten. Hierbei ist uns eine Tram aufgefallen, die von der Südseite über die Albertbrücke immer noch regelmäßig zur Neustadt fuhr. Kurzerhand suchten wir eine nicht von Polizeibeamten „besetzte“ Haltestelle und fanden nach einiger Zeit die richtige Tram-Haltestelle. Etwas aufgeregt stiegen wir - mit entwerteten Fahrausweisen - ein und verteilten uns in dem Wagon. Kurz vor der Albertbrücke kamen dann uniformierte Beamte in die Tram und suchten systematisch „links aussehende“ (wie sie es nannten) um diese wieder aus der Tram herauszuholen. Es war erschreckend miterleben zu müssen, wie deutsche Polizisten in „Kampfmontur“ Menschen nach Aussehen und vermeintlich gefährlicher Gesinnung selektierten. Erschreckend auch, wie hilflos man sich dabei vorkommt, denn ein Einschreiten hätte auf jeden Fall auch für uns das Ende der Fahrt bedeutet. Wir  waren heilfroh, lediglich beäugt worden zu sein und der „Staatsmacht“ mit unserem wohl „unlinkem“ Auftreten nicht aufgefallen zu sein.

Endlich: Auf der Nordseite der Elbe

 

Auf der Nordseite der Elbe ging es dann schnell zum Albertplatz wo sich viele GegendemonstrantInnen aufhielten. Nach einer kurzen Stärkung bewegte sich der Demo-Zug Richtung Westen. Ohne genau zu wissen warum schlossen wir uns an. Nach und nach sickerte die Information durch, dass die Nazis im Bahnhof Neustadt mehr oder weniger eingekesselt waren und nun eine Route - westlich des Neustädter Bahnhofes - zugewiesen bekommen hätten. Neben vielen, vor allem jungen DresdnerInnen und Antifas marschierten wir also nun  weiter und versuchten uns Richtung Bahnhof Neustadt durchzuschlagen. Dies erwies sich jedoch als unmöglich, da die Polizei diesen weiträumig abgeriegelt hatte. Wir gerieten in einige brenzlige Situationen bei denen Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten gerichtet wurden; davor wurden vereinzelt Schneebälle, Plastikflaschen und Feuerwerkskörper Richtung Polizei geworfen. Wir sahen wie Mülleimer, ganze Müllcontainer und Restaurantinventar brannten und wie ein Auto - mit einem Deutschlandsticker - teilweise demoliert war. Kopfschüttelt und verärgert drüber, wie man so etwas unpolitisches tun kann gingen wir weiter.

Kein Naziaufmarsch

Ab 17 Uhr war klar, dass sie Nazis nicht auflaufen konnten und, dass ihr „Trauerzug“ nicht stattgefunden hatte. Hiernach beschlossen wir uns einen Weg zurück Richtung Hauptbahnhof zu bahnen, was leichter gesagt war, als getan. Trotz Polizeikette gab es einen kleinen Weg neben den Bahnschienen den wir mit einigen anderen GegendemonstrantInnen passieren durften. Plötzlich hieß es „Halt!“ und ich blieb stehen und sah wie die Polizisten langsam auf unseren Trupp zukamen. Meine Leute gingen jedoch seelenruhig weiter also reihte ich mich kurzerhand ein. Die jungen Leute hinter uns durften nicht passieren.

Gegen 18h kamen wir wieder am Albertplatz an uns konnten ungehindert die Polizeibarrieren Richtung Altstadt passieren. Wir begleiteten einen von uns - vorbei an Polizeibeamten -  zur anderen Seite des Hauptbahnhofes und auf dem Rückweg sahen wir sie dann doch: vielleicht vier oder fünf junge Faschisten, ganz in schwarz und mit kurz geschorenen Haaren tauchten vor uns auf. Dicht gedrängt gingen wir - zusammen - Richtung Ausgang. Hier konnte ich „Deutschland“ in Runenschrift auf einem Rucksack erkennen und gleich darunter das Eiserne Kreuz mit preußischer Flagge im Hintergrund. Vor dem Ausgang standen einige „Linke“ und ich war mir sicher, dass es zu Ausschreitungen kommen würde aber da die Nazis nicht auf den ersten Blick als solche zu erkenne waren passierte nichts.

An dem VW-Bus angekommen trafen wir auf zwei unserer Mitfahrerinnen zurück nach Berlin und tauschten unsere Eindrücke aus.

Zu guter letzt hatten wir, zum Glück kurz vor einer Dresdner Tankstelle, eine Autopanne woraufhin unser Transportmittel abgeschleppt wurde. Nach ca. einer Stunde stand der Ersatzwagen bereit und wir kamen alle ungeschadet -  von den kalten, nassen Füße abgesehen - zurück nach Berlin.

Den vielen Faschisten Dresden nicht überlassen

Auch wenn wir nicht aktiv mitblockieren konnten, da wir zu keiner Zeit eingehakt auf dem Boden saßen, fanden wir es wichtig und richtig am Samstag präsent zu sein um den vielen Faschisten Dresden nicht zu überlassen. Ich glaube alleine unsere Anwesenheit hat etwas unter den DresdnerInnen aber auch unter anderen GegendemonstrantInnen bewirkt. Ich denke, dass Faschismus und Rassismus uns alle angehen und fand es unglaublich schade, wie wenig „bunte Gesichter“ ich auf Seite der GegendemonstrantInnen gesehen habe. Diese braune Ideologie ist überall auf der Welt verbreitet und ich würde gerne dazu beitragen, dass mehr Menschen - auch mit „Zuwanderungshintergrund“ - dagegen aktiv ein Zeichen setzen und betroffene Bürgerinnen und Bürger nicht im Stich lassen, indem sie „zu Hause“ bleiben und/oder sich nicht angesprochen fühlen.

Als Mensch sehe ich es als meine Pflicht an, faschistischen Ideologien keinen Raum zu geben. Demokratie heißt für mich, dass jeder/ jedem das Recht zur freien Meinungsäußerung gegeben wird, solange diese nicht menschenverachtend ist bzw. die Freiheit eines/einer anderen/anderer einschränkt. Sobald gegen dies verstoßen wird, und „Deutschland den Deutschen“ verstößt klar dagegen, hat dieser Mensch, in meinem Augen, das Recht zur freien Meinungsäußerung vertan. Die Erde ist rund und endlich und ich sehe nicht ein, dass ein Mensch mehr Recht hat an einem Ort zu sein bzw. sich niederzulassen als ein anderer, um es mit Kants Worten zu sagen.

Ich hoffe, dass es keine „Dresden Nazifrei 2011“-Aktion geben muss aber wenn dies der Fall sein sollte, können die DresdnerInnen mit einer weiteren aktiven, sich bekennenden Antifaschistin rechnen!

Mercedes Benz Fashionweek 1. - 4. Juli 2009

Juli 13th, 2009


Letzte Woche war es wieder soweit – Mercedes Benz Fashion Week in Berlin -  ich bin immer noch nicht ganz akklimatisiert. Neben einschlägigen Kandidaten wie Minu Barati Fischer, Heike Makatsch, Julia Stegner und Matthias Schweighöfer, durfte also auch ich mich ins Getümmel stürzen und ein bisschen exklusives VIP-Feeling geniessen. (Naja, halt immer etwa aus Reihe 4 -17, aber immerhin) Los ging es am Dienstagabend mit der Eröffnung der Modemesse Bread & Butter in der Berliner Columbiahalle. Dem Unwetter, das draußen tobte, nicht wirklich entkommen, fieberten wir also nass und vom Rennen verschwitzt dem Auftritt von Mando Diao entgegen. Derart zugerichtet habe ich mich aber nur ganz kurz fehl am Platz gefühlt. Letztendlich fand ich meine Aufmachung bzw. meinen Zustand dann doch sehr authentisch für ein Rockkonzert.

Weiter ging es am nächsten Morgen mit der Marcel Ostertag Show. Nach dem Sieg beim Karstadt New Generation Award 2008 zeigte er bereits zum dritten Mal seine Entwürfe im Zelt am Bebelplatz. Der Designer widmete sich in seiner Kollektion Spring/ Sommer 2010 „Der Natur. Strukturen und Farben, Mixturen von Gesteinen und Licht“ Das gefiel ganz gut – und mir besonders ein nachtblaues Seidenhosen-Fransenoberteil Ensemble (oder waren es Federn? Ich saß wohl einfach doch zu weit hinten).

Wer dann – wie meine Wenigkeit – erst wieder Tickets für eine der späteren Shows hatte, konnte sich die Zeit hervorragend mit dem Besuch einer der vielen frei zugänglichen Veranstaltungen rund um die Fashion Week vertreiben. Beispielsweise der Berliner Showroom Meile im Peek & Cloppenburg am Kudamm, dem GREENshowroom im Hotel Adlon, oder dem vierten ‚Wedding Dress’ Modefestival mit Streetstyle-Show und Designern wie Comtesse de la Haye oder Kilian Kerner. Letzterer entwirft seit Neuestem übrigens auch im Team mit oben genanntem Herrn Schweighöfer, MTV VJ Joko Winterscheidt und Sebastian Radlmeier Shirts unter dem Namen ‚German Garment’.

Pünktlich zurück zur 18 Uhr Show von Patrick Mohr stellte sich heraus, dass der vorbildliche Fachbesucher sich vor dem Beiwohnen einer Präsentation vielleicht auch mal ein wenig ausführlicher mit dem Konzept hinter dem Design beschäftigen sollte. Ich hatte mich zwar im Internet mit Mohr, seiner Biografie und Philosophie vertraut gemacht, war dann aber doch höchst irritiert, als mein Freund Agoe mir vor Showbeginn ein Exemplar des ‚Strassenfegers’ in die Hand drückte, welches er am Eingang erhalten hatte. Aufklärung erhielt ich, sobald die ersten Models den Laufsteg betraten: Statt den gewohnten Laufsteg-Elfen schritten von der Straße gecastete Obdachlose in den avantgardistischen Kreationen des ehemaligen Henrik Vibskov Schülers über den Catwalk. Das konnte man am Ende finden wie man wollte (fehl am Platz oder spannender konstruktivistischer Ansatz), Aufmerksamkeit und PR waren dem Designer sicher.

Im Anschluss ging es zum evian-Empfang im Weekend. Als bekennender Couch-Potatoe – Schande über mein Haupt – war ich zum ersten Mal in dem Club am Alex und daher angemessen überwältigt vom atemberaubenden Ausblick, den man von der Dachterrasse im 16. Stock aus genießen konnte. Spätabends zog es uns zur Reebok Party in die Villa in der Landsberger Allee. Ich würde sagen, so lässt sich ein Schuh doch angemessen feiern…

Donnerstagnachmittag dann eines meiner persönlichen Fashion Week Highlights: Die Show des Labels LaLa Berlin. Ich liebe die Entwürfe der iranischstämmigen Designerin Leyla Piedayesh inniglich und lege seit nunmehr zwei Jahren jeden zu entbehrenden Cent für den Erwerb eines ihrer berühmten Cashmere-Tücher zurück. Frau Piedayesh enttäuschte in keiner Hinsicht – ich hätte jedes der in Schwarz, Pink und Nudetönen gehaltenen Kollektionsteile vom Fleck weg in meinen Kleiderschrank integrieren können. Die traurige Tatsache, dass ich weder Karten für die nachfolgende Strenesse-Show, noch Custo Barcelona oder Boss Orange ergattern konnte, feierte ich am Abend einfach auf der Puma-Party am Tauentzien und dem Premium & Friends Event der gleichnamigen Modemesse weg. Mit Cranberrysaft und Grillwürsten trotzten wir unverwüstlich dem immer wieder einsetzenden Platzregen.

Leider hielt sich das Wetter auch in den nächsten Tagen nicht wirklich – entweder war es unerträglich schwül oder löste sich die angestaute Hitze in Gewitter- und Regenstürmen auf. Klimatechnisch für alles bereit und nahezu ‚profi-globetrottermäßig’ ausgerüstet, besuchte ich am Freitag die Bread & Butter auf dem historischen Gelände des Flughafens Tempelhof. Leider ein bisschen zu spät, der Abbau war schon in vollem Gange. Liebend gerne hätte ich mir für nationale und internationale Aussteller wie Moschino, Modström, Zoo York oder Lee etwas mehr Zeit genommen. Michalsky um 21 Uhr im Friedrichstadtpalast war für mich ebenso wie die größeren Shows am Vorabend bedauerlicherweise nicht zu realisieren. Also bin ich zu Hause geblieben, um dem krönenden Abschluss meiner Fashion Week Woche am nächsten Tag entgegenzufiebern: ‚Bridal Couture’ des Berliner Labels Kaviar Gauche.

Bevor mich Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl allerdings überzeugten, wenn überhaupt, dann nur in ihrem Design zu heiraten, machte ich mich Samstag aber noch auf den Weg ins Hotel de Rome zur Pressekonferenz des vom Goethe Institut initiierten Createurope: The Fashion Award. Der alljährlich stattfindende Wettbewerb für Jungdesigner wurde diesmal um Bewerber aus Nordafrika und dem mittleren Osten ausgeweitet. Die diesjährigen Finalisten stammen unter anderem aus Bulgarien, Spanien, Marokko und Israel. Neben der großartigen Architektur der Location beeindruckte mich vor allem die ungekünstelte und offene Art Dirk Schönbergers, verantwortlich für das Design des Modelabels JOOP! und Schirmherr des Events. Spontan, aufgeschlossen und witzig stellte er sich den Pressefragen. Leidgetan hat mir der arme Abgesandte des Sponsors Quelle, der sich ausschließlich mit den Gerüchten um sein Unternehmen herumschlagen musste: Geht Quelle pleite? Warum wird der Katalog nicht versandt? Woher das Geld für das Sponsoring? Krise hin, Krise her – ich bin im Anschluss, stimuliert von so viel kreativem Schaffen (die Lookbücher der jungen Designer waren im Hotel ausgestellt worden), erstmal ein bisschen shoppen gegangen.

Um 14 Uhr dann weitere Inspiration – besagte Kaviar Gauche Show: Volles Zelt, hochkarätige Gäste und ich dank schwangerer Begleitung mit Sitzplatz in vorderster Front. Übrigens auch mit hervorragender Sicht auf Boris Becker und seine Herzensdame Lilly. Frau Becker, Ex Kerssenberg, sieht - nebenbei bemerkt - trotz Augenringen toll aus. Wahrscheinlich hätte ich die bei der ganzen Hetzerei rund um die Welt aber erstens auch. Zweitens – und viel relevanter – haftete mein Blick aber auch nahezu durchgehend auf der mittlerweile 70 jährigen (!!!) Warhol-Freundin und Modelikone Veruschka Gräfin von Lehndorff. Wenn die Frau was hat, dann Ausstrahlung! Los ging es schließlich zu den zarten Klängen von Jane Birkins ‚Je t’aime, moi non plus’, um dann paradoxerweise zu Rammstein zu wechseln. Das machte mir aber rein gar nichts – verzückt rief ich meiner Sitznachbarin Kristina bei jedem Stück ‚Das MUSS ich haben’ zu und konnte mich auch nach der frenetisch umjubelten Präsentation noch nicht wirklich beruhigen. Es ist kein Zufall, dass Kaviar Gauche seit der Gründung 2003 zu einem der international renommiertesten deutschen Label zählt!

Zusammengefasst haben sich Hektik und Dauermüdigkeit definitiv bezahlt gemacht – insgesamt gab es 33 Shows an vier Tagen. Ich hatte eine randvolle, spannende, aufschluss- und erkenntnisreiche Woche. Klar kann sich noch viel tun und ist Berlin nicht Paris oder Mailand. Aber die Stadt braucht sich auch nicht zu verstecken, hat sie doch sogar laut Suzy Menkes (und eine einflussreichere Modekritikerin fällt mir beim besten Willen nicht ein) ‚Mode im Blut’!

by Sarah- Janina Khayati

hier noch ein paar visuelle Eindrücke:

LaLa Berlin, Kaviar Gauche,

Ehepaar Becker & German Garment

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by Sarah-Janina Khayati

Photos by Mediaforum / Mercedes Benz Fashionweek Berlin

Zu Gast in Ghana - Environmental Film Festival of Accra

Juni 22nd, 2009

img_5789.gifUnter dem Slogan „Keep Ghana Clean“ fand in diesem Monat das fünfte Environmental Film Festival of Accra (EFFA) statt. Wie der Name des Festivals bereits verrät, lag der Fokus der Filme, die in diesem Kontext präsentiert wurden, auf dem Thema Umwelt bzw. Umweltverschmutzung. Nachdem letztes Jahr das Wasser seinen großen Auftritt hatte, gebührte 2009 alle Aufmerksamkeit dem Abfall. Mit Filmen wie „Ghana´s Plastic Waste Menace“, „Addicted to Plastic“ und „How safe is food grown in our city?“ sollte nicht nur ein Einblick in die problematische Abfallsituation Ghanas und deren Folgen geschaffen, sondern vor allem an das Umweltbewusstsein der Ghanaer appelliert werden.

Und dass das notwendig ist, kann ich leider nur bestätigen. Nehmen wir zum Beispiel einen typischen Lebensmitteleinkauf. Wenn ich in ein und demselben Laden frisches Brot, Eier, etwas Gemüse und Wasser einkaufe, also vier Produkte, erhalte ich mindestens genausoviele Plastiktüten. Das Brot, welches bereits in Plastik verpackt ist, wird, ebenso wie die Eier und das Gemüse, von der Verkäuferin in eine kleine extra Plastiktüte getan, um anschließend mit dem Wasser in einer großen Plastiktüte zu landen. Schon etwas gewöhnungsbedürftig für eine Person, die seit dem sie klein ist auf Stofftüten getrimmt wird.

Und wo wir schon einmal bei Plastik sind: Ghana hat ein Sachet Problem! Was das ist? Für umgerechnet 3 Cent kann man hier an jeder Ecke kleine versiegelte Plastikbeutel mit “pure water”, also Trinkwasser, erhalten, die dem durstigen Menschen die Reinheit des Wassers garantieren sollen. Und da es hier kaum Mülleimer gibt, landen die Sachets, nachdem man an der einen Ecke ein kleines Loch in den Beutel gebissen und diesen leer getrunken hat, meistens irgendwo auf der Straße.

Doch auch dem Abfall kann hier etwas Gutes abgewonnen werden. Im Rahmen des EFFA fand die Trashy Cloths Show statt. Drei ghanaische Designer haben sich Accras Müll vorgeknöpft und daraus Kleidung, Taschen und Accessoires entworfen. Auch die Sachets fanden hier, in Form von Regenmänteln und –schirmen, ihren Auftritt. Und neben dem ein oder anderen Male Model (Ja, meine lieben Damen, Neid ist durchaus angebracht!), konnten sich auch einige Kleidungsstücke tatsächlich sehen lassen.

by Hjördis Hoffmann 

Zu Gast in Ghana - TroTros

Juni 5th, 2009

TroTros sind ein typisches ghanaisches Fortbewegungsmittel und der günstigste Weg, von einem Ort an den anderen zu kommen. Zu dem Zustand der Kleinbusse sei gesagt, dass es zwar gut ausgestattete, klimatisierte Modelle gibt, aber einige TroTros veranlassen einen dann doch eher zu der Annahme, dass „TroTro“ auf einer der vielen Sprachen, die in Ghana gesprochen werden, „Geh lieber zu Fuß“ heißen muss. Sicherheitsgurte sind überflüssiger Schick-Schnack, die Schiebetüren der TroTros sind häufig so verbeult, dass sie nicht mehr ganz schließen und wenn es überhaupt heile Seitenspiegel gibt, dann sind diese so eingestellt, dass man zwar einen guten Blick auf die Felgen, aber nicht auf den nachfolgenden Verkehr hat. Und dennoch ist eine TroTro-Fahrt recht unterhaltsam. Da die Ghanaer sehr offen sind, hat man auch immer sofort einen Gesprächspartner für die ganze Fahrt. (Ja, liebes Deutschland, so kann es auch gehen. Ein nettes Gespräch mit Leuten, die man eigentlich gar nicht kennt.)

Das Einzige, was mir wirklich ein paar Kopfschmerzen bereitet, ist die Kombination eines weniger stabilen TroTros mit dem Fahrstil der Fahrer. Meine Fahrt nach Cape Coast, eine Stadt in der Central Region Ghanas, durfte ich auf dem Beifahrersitz eines TroTros verbringen. Und da es auch schon als Kind das Größte war ganz vorne im Bus zu sitzen, dachte ich diesmal ebenfalls den besten Platz bekommen zu haben. Nun ja, eigentlich verbrachte ich die meiste Zeit mit dem Gedanken: „Gott, er kann doch jetzt nicht einfach…Oh…mh…kann er doch!“ Überholen geht immer und mit jeder Geschwindigkeit!

Mit gefühlten 150 km/h (die genaue Geschwindigkeit konnte ich leider nicht bestimmen, da der Tacho, wie sollte es auch anders sein, kaputt war und konsequent 0 km/h anzeigte) passierten wir auf dem Weg von Accra nach Cape Coast zahlreiche Schilder, auf denen die Anzahl der Personen vermerkt war, die in dieser Region an Verkehrsunfällen gestorben sind. Alles in allem gab es auf dieser Fahrt daher nicht allzu viele Anlässe sich entspannt zurück zu lehnen.

Anders ist es da in der Stadt. Vor allem in Accra herrscht ein Traffic Blues (wie ein ghanaischer Filmtitel es so schön ausdrückte). Man steht eigentlich permanent im Stau und muss sich folgedessen auf jeden Fall keine Sorgen um die Geschwindigkeit der Fahrer machen. Die Zeit im Stau kann man nutzen um seinen kompletten Wocheneinkauf zu erledigen. Durch das Fenster bieten einem Verkäufer Toilettenpapier, Brot, Eier, Yams, Flaschenöffner, Fußbälle, Tischdecken und vieles mehr an.

Manchmal frage ich mich allerdings schon, wer denn bitte auf die Idee kommt, sich vor einer vierstündigen Fahrt spontan Sekundenkleber zu kaufen. Aber bei dem Zustand einiger TroTros ist das vielleicht gar nicht mal die schlechteste Idee.

by Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Ksss

Mai 29th, 2009

 

“Ksss. Ksss.”

Als ich dieses Geräusch das erste Mal in Ghana hörte, habe ich den Verkäufer, der es produzierte, mit dem gleichen entnervten Blick gestraft, den ich lästigen Wesen in Berlin zuwerfen würde, die „Ksss…Süße…“ für eine charmante Möglichkeit der Kontakaufnahme halten.

Mittlerweile bin ich mehr als froh, dass ich es bei dem Blick belassen habe und nicht noch, wie ich es in Deutschland vielleicht getan hätte, eine weniger freundliche Bemerkung in Richtung des Verkäufers gedonnert habe. „Ksss“ ist in Ghana nämlich ein ganz üblicher Weg, andere auf sich oder, im Falle des Verkäufers, auf die eigene Ware aufmerksam zu machen.

Wider Erwarten habe ich mich in den letzten Wochen selbst zu einer engagierten Nutzerin dieses Lautes entwickelt. Nicht, dass ich keine Bedenken mehr hätte, eine Kellnerin mit „Ksss“ anstatt mit einem zaghaften „Excuse me“ anzusprechen, aber manchmal bleibt einem kaum etwas anderes übrig. Denn ein höfliches Lächeln meinerseits wird zwar stets mit einem Lächeln erwidert, aber es führt nicht zwangsläufig zu einer Aufnahme meiner Bestellung. In einigen Fällen hätte es mich nicht einmal gewundert, wenn die Kellnerin einfach nur zurückgewunken hätte und dann einfach wieder, ohne ein Wort zu verlieren, in der Küche verschwunden wäre. Ein kurzes „Ksss“ beschleunigt den Bestellvorgang um einiges und wird scheinbar, im Gegensatz zum Gebrauch der linken Hand, die ich seit meiner Ankunft in Ghana verzweifelt versuche unter Kontrolle zu bringen, keineswegs als unhöflich empfunden.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Malariaprophylaxe

Mai 26th, 2009

flagge1.jpgVor einer Reise nach Westafrika wird einem dringlichst zu einer Malariaprophylaxe geraten. So gehörte die Einnahme eines solchen Präparats ebenso zu den Reisevorbereitungen meines dreimonatigen Ghana Trips, wie die Gelbfieberimpfung. Doch Prophylaktikum ist hier nicht gleich Prophylaktikum. Nahezu die erste Frage, die mir in Ghana gestellt wurde, war: „Und? Nimmst Du Lariam?“ Die Bejahung wurde dann mit einem besorgten Gesicht und „Oh. Naja, gucken wir mal wie es Dir in einer Woche geht.“ beantwortet.

Ich muss gestehen, dass mich die aufgelisteten Nebenwirkungen von Medikamenten nie sonderlich beeindrucken und ich insgeheim davon ausgehe, dass diese nur für gebrechliche Menschen oder Hypochonder bestimmt sind. Da beides nicht auf mich zutrifft, habe ich mir auch bei dieser Malariaprophylaxe, die laut Packungsbeilage unter anderem paranoide Zustände und Verfolgungswahn hervorrufen kann, keine Sorgen gemacht. Als ich allerdings zwei Tage später die Übernachtung in einem Strandhaus in dem Örtchen Kokrobite damit verbrachte, aufrecht in meinem Bett zu sitzen und den Wind vor meinem Fenster für einen Mörder zu halten, der unaufhörlich „I´ll come and get you“ flüsterte, war der Entschluss die Tabletten abzusetzen doch recht schnell gefasst.

Zurück in Accra suchte ich dann die von meinem Institut empfohlene Ärztin auf, um mir ein anderes Medikament verschreiben zu lassen. Der Besuch bei Frau Dr. Ansafo-Mensah war schon ein kleines Erlebnis. Nachdem ich meinen Namen auf einen kleinen Zettel geschrieben hatte, kam eine nette Sprechstundenhilfe und maß mitten im Wartezimmer Blutdruck und Temperatur (unterm Arm, versteht sich). Das Fieberthermometer wurde dann, vor der Begegnung mit der Achselhöhle meines Sitznachbars, hygienischerweise mit einem Wattebausch abgewischt. Ja, lecker. Die Kommunikation zwischen Ärztin, Patienten und Sprechstundenhilfen erfolgte über Klingelzeichen. Einmal klingeln: Nächster Patient. Zweimal klingeln: Sprechstundenhilfe. Nach jedem „Einmal-Klingeln“ rückte man dann einen Stuhl weiter in Richtung Sprechzimmer. Zwischen Aufrücken und Warten konnte ich mir die Zeit damit vertreiben, die verschiedenen Plakate und Aufkleber zu studieren, die im Wartezimmer angebracht waren. Während ich mich fragte, was ich nun von der Kombination der Viagra-Werbung und dem daneben hängenden Verweis auf Safer Sex halten sollte, kniff mir die ganze Zeit ein niedliches, kleines Kind in den Arm und amüsierte sich königlich. Ja, schon witzig so eine weiße Frau. Zwei Stunden, ein paar Kniffe und „Einmal-Klingeln“ später bekam ich dann mein neues Medikament. Und obwohl ich den Arztbesuch wirklich ganz unterhaltsam fand, hoffe ich trotzdem, dass ich mich zukünftig wieder auf meine Nebenwirkungs-Resistenz verlassen kann.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Fußball

Mai 25th, 2009

Essien, Essien, Essien. Diesen Namen habe ich seit meiner Ankunft in Ghana fast häufiger gehört, als meinen eigenen. Und das liegt weniger daran, dass man meinen Namen hier nicht aussprechen kann, sondern viel mehr an der Tatsache, dass der ghanaische Fußballspieler, der zur Zeit für den FC Chelsea spielt, so etwas wie ein Nationalheld ist.

So sind die Aukleber der lokalen Fußballvereine, mit denen Taxifahrer zu verstehen geben, ob sie nun ein Fan des Tabellenführers Hearts of Oak oder des z.Zt. weniger erfolgreichen Teams Asante Kotoko sind, nahezu immer von einem Aufkleber des FC Chelsea begleitet. Da man hier in Accra recht häufig Taxi fährt und mein übliches Smalltalk-Thema, das Wetter, doch recht schnell langweilig wird („Tolles Wetter!“ – „Ja, natürlich! Wie immer.“), deute ich also immer auf den jeweiligen Aufleber und sage: „You like football, mh?“. Und schon ist man im Gespräch. Aufgrund der im Taxi sitzenden Deutschland-Ghana Kombination, landet man auch sehr schnell bei der WM 2006. Strahlend und euphorisch wird einem dann berichtet, was in Ghana los war, als das Nationalteam den erfolgreichen Underdog gab und seinem Land somit ein ganz eigenes Sommermärchen bescherte.

Dass Fußball in Ghana „ganz groß“ ist, hat man mir schon vor meiner Abreise aus Deutschland gesagt. Und seit dem Champions-League Halbfinale, dass ich am Mittwoch vor drei Wochen beim Public Viewing in Accra gesehen habe, weiß ich nun auch, was mit „ganz groß“ gemeint war. Das Spiel: Chelsea gegen Barcelona. Und wer schoss das erste Tor? Natürlich Essien. Die Stimmung, die dann im Innenhof der Accra Mall und auch vor den Fernsehern in den Geschäften ausbrach, lässt sich nur schwer in Worte fassen und daher möchte ich das an dieser Stelle auch gar nicht erst versuchen. Ich würde mich nun auch nicht als den größten Fußballfan aller Zeiten bezeichnen, aber nach diesem Abend stand eines für mich fest: mein Ghana-Aufenthalt wird fußballlastig.

Gesagt – getan. Am Sonntag darauf habe ich mir das Hearts of Oak Team im Ohene Djan Stadium in Accra angesehen. Und obwohl das Spiel gegen Essiens Jugendverein Liberty Professionals eher langweilig war, habe ich den Aufenthalt im Stadion sehr genossen. Denn hier liegt die Priorität ganz klar beim Fußball. Gute zwei Stunden, ohne angesprochen zu werden oder einen Heiratsantrag zu bekommen. Was soll ich am Strand? Das Fußballstadion ist seit dem mein persönlicher Ort der Ruhe und Entspannung.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana - Modehauptstadt Accra

Mai 24th, 2009

lokko.jpgWer denkt, dass sich Ghanas Modewelt nur um buntbedruckte Kleider dreht, liegt weit daneben. Ich bin eigentlich auch nicht davon ausgegangen, dass ich als kleiner Streetwear Addict in Ghana auf meine Kosten komme. Aber gerade was dieses Thema betrifft, lasse ich mich nur zu gerne eines Besseren belehren.

Beim Rumschlendern durch Accra bin ich auf „lokko08 – original ACC“ gestoßen. Nahezu alle T-Shirt-Motive nehmen, mehr oder weniger offensichtlich, Bezug auf Ghana und seine Hauptstadt und sollen somit den „local flavour“ der Marke betonen. Und da ich eine überzeugte Unterstützerin der These „Jedes Souvenir, das man anziehen kann, ist ein gutes Souvenir“ bin, konnte ich es natürlich nicht verantworten den Laden ohne ein neues Shirt zu verlassen.

Generell sollte man die Bedeutung, die Ghana für die afrikanische Modewelt hat, nicht unterschätzen. So lädt Accra vom 01. bis zum 04. Juli 2009 mit dem Ghana Fashion Weekend zu einem der größten Mode Events in Westafrika ein. 30 Designer aus Afrika, den USA und England werden sich die Ehre geben und ihre Kollektionen auf einer der zahlreichen Modeschauen und –austellungen präsentieren. Und das Vertrauen der Ghanaer in ihre Modeszene ist groß. So geht die Tourismusministerin Ghanas davon aus, dass sich Accra in den nächsten Jahren zur Modehauptstadt Afrikas entwickeln wird. Man darf gespannt sein.

Hjördis Hoffmann

Zu Gast in Ghana

Mai 22nd, 2009

img_5599.jpgWenn meine Familie und meine Freunde etwas an mir ändern dürften, dann wäre es wahrscheinlich die Eigenschaft, mich nur allzugerne dem Fernweh hin- und ihm so oft es geht auch nachzugeben. Da ich mich als dickköpfiger Widder jedoch nicht gerne ändern lasse (und dafür lieben sie mich ja eigentlich auch), gab es nach meinem Bachlor-Abschluss nicht viel, was mich davon hätte abhalten können, Deutschland wieder für einige Zeit zu verlassen. Und frei nach dem Motto “wenn schon denn schon”, sollte es auch bitte kein europäisches Land sein, sondern eines, das man erst einige Flugstunden und, aufgrund meiner Flugangst, auch einige Panikattacken später erreicht: Ghana. Es liegen also drei Monate in dem Land vor mir, das gerne als Vorzeigeland Westafrikas betrachtet wird. Und da ich schon als Kind gelernt habe, dass Teilen etwas sehr schönes ist, möchte ich meine Erlebnisse natürlich nicht für mich behalten. Und daher gibts hier im Gazelle Blog alles zu lesen :-)

Hjördis Hoffmann

“Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden”

März 12th, 2009

Ein etwas zu langer Name für einen Feiertag? Nun, genau so heißt aber der fast 100-jährige Weltfrauentag eigentlich. In diesem Jahr zelebrierte der internationale Frauentag, um ganz genau zu sein, seinen 99. Geburtstag. Zwar steigt das Alter des Tages, der für Gleichberechtigung Freiheit und Frieden steht, seine Notwendigkeit verliert jedoch auch heute nicht an Bedeutung.(hb)

Die Anfänge der Entstehung des Weltfrauentages führen uns ins Jahr 1910 in die Hauptstadt Kopenhagen. Hier wird erstmals der Vorschlag eines Frauentages gemacht, allerdings ohne Bestimmung eines konkreten Datums. Im Jahr 1921 wird schließlich der 8. März zum “Internationalen Frauentag” erklärt zu Gedenken an den 8. März 1917, an dem russische Arbeiterfrauen für bessere Lebensbedingungen streikten und somit Auslöser für die Februarrevolution wurden.Der kommunistische Beigeschmack des Frauentages, der in Deutschland erstmals am 19. März 1911 gefeiert wurde, war Grund genug um ihn hierzulande zwischen 1933 und 1945 zu verbieten. Eine Alternative war allerdings schnell gefunden. Getreu dem Motto ” Auch Mütter sind Frauen” , wurde der Muttertag im nationalsozialistischem Deutschland zum Feiertag der Frau und des Volkes.Aber selbst nach 1945 drohte die Bedeutung des Frauentages allmählich zu verschwinden, er geriet in Vergessenheit oder man maß ihm nicht den Rang zu, der ihm zustand und ihn ursprünglich ehrte, nämlich der Kampf gegen Ungerechtigkeit in Zeiten riesigen Aufruhrs. So verdanken wir es den neuen Frauenbewegungen und -organisationen, die Ende der 60er wieder und wieder Aufklärungsarbeit leisteten und Tatendrang bewiesen, so dass der Internationale Frauentag heute tatsächlich INTERNATIONAL ist. Knapp 100 Jahre später erinnern wir uns an Clara Zetkin, die sich erstmals für einen Frauentag einsetzte, an die russischen Soldatenfrauen und an unermüdliche Kämpferinnen, die wussten, dass wir mehr verdienen. Ironischerweise feiert dieses Jahr auch Barbie einen runden Geburtstag. Die schöne Blondine wird zwar 50 jedoch kein Stück älter. So ist es vielleicht ein Wink des Schicksal, dass sogar Barbie, die Antiheldin der Frauenbewegung sich mit der Zeit emanzipierte.